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Wie Star Wars Psychologie erklären kann

In diesem Artikel geht es um die helle und die dunkle Seite, die viele bereits aus den berühmten Star Wars-Filmen von George Lucas kennen. Warum schreibe ich darüber? Kurz in einem Satz zusammengefasst: George Lucas erklärt mithilfe dieser Filme, wie die Tiefenpsychologie des Menschen funktioniert. Er erklärt es durch eine Sprache, die jeder versteht (und zwar in Form eines Filmes)! Diese „Sprache“ nennt man Mythos. Ein Mythos hat keine Buchstaben, keine komplizierten verschachtelten Sätze, wie ich sie hier in diesem Blog benutze, nein, der Mythos redet in Bildern und Gefühlen. Und das macht ihn für mich hochinteressant! Und für den einen oder anderen Leser vielleicht auch?

In diesem Artikel zeige ich, dass Darth Vader und Anakin Skywalker nicht zwei verschiedene Persönlichkeiten besitzen und wie das Ganze einen Sinn ergibt.

Star Wars Psychologie
Quelle, haxxorkris, CC BY-SA 3.0

Aber zuerst eine kurze Erklärung: In meinem Blog rede ich von „Brillen“ und „Achillesfersen“. Aber eigentlich… gibt es da kaum einen Unterschied. Regelmäßige Leser dieses Blogs wissen, dass die Persönlichkeit (nach Jung) aus vier elementaren Bausteinen besteht (mehr dazu, siehe hier oder hier):

  • Fühlen
  • Denken
  • Intuition
  • Empfinden

Diese 4 Bausteine gibt es natürlich noch in intro- (nach innen gerichtet) oder extravertiert (nach außen gerichtet). Aber das ignorieren wir an dieser Stelle einmal aus einfachheitstechnischen Gründen.

Wie hier gezeigt, gibt es eine bestimmte Reihenfolge der Entwicklung für jeden Menschen. Von der Nummer 1 (dominant function), über die Nummer 2 (auxiliary function) und Nummer 3 (tertiary function) bis hin zur Achillesverse und Nummer 4 (inferior function). Nicht jeder schafft es seine Nummer 4 zu entwickeln. Aber das ist auch gar nicht notwendig. Denn Nummer 4 ist im Prinzip ein kleines Kind, das der Meinung ist, es wäre ja super-cool am Steuer eines Pkws zu sitzen und durch die Straßen zu heizen. Wir wissen alle, dass das keine gute Idee ist. 😉 Und außerdem wissen wir, dass es ziemlich schwierig sein kann ein kleines Kind DAVON zu überzeugen! Und damit wären wir bei dem Problem, dass wir mit unserer eigenen Nummer 4 haben: Nummer 4 will nämlich die Nummer 1 sein.

Und wenn wir es nicht schaffen über uns selbst nachzudenken, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass wir denken unsere Nummer 4 wäre unsere Nummer 1. Denn immerhin schreit Nummer 4 ja am lautesten! Wer mag schon gern Geschrei?! Also versuchen wir das Kind ruhig zu stellen. Irgendwie! Koste es, was es wolle! Tja, und schon gibt’s so viele Probleme, dass wir gar nicht mehr klar denken können. Wir kämpfen mit unserer Nummer 4, anstatt uns auf unsere Stärken zu besinnen (Nummer 1). Wir fragen auch nicht unsere Nummer 2 um Hilfe (denn dazu ist Nummer 2 eigentlich da – als Unterstützer für Nummer 1!). Wenn wir Pech haben, verbündet sich Nummer 4 auch noch mit der etwas älteren Nummer 3, um uns komplett ins Chaos zu stürzen…

Ja, ich höre schon den einen oder anderen Leser stöhnen: Im Titel steht was von Star Wars, warum werde ich hier mit Geschichten über Nummern belästigt? Ganz einfach: Es ist ne geniale Überleitung! (Ja, ja, Schande über mich, ich habe mich selbst gelobt!) Denn die in Star Wars durch alle Filme schwirrende „Macht“ hat ja bekanntlich zwei Seiten: Die helle und die dunkle Seite. Und unsere Nummern lassen sich genauso aufteilen:

  • Wir haben die helle (bewusste) Seite mit den beiden recht erwachsenen Nummern 1  (unser Held, unsere Stärke) und Nummer 2 (unser Helfer oder Mentor).
  • Und wir haben die dunkle (unbewusste) Seite mit Nummer 3 und Nummer 4.

Jeder Mensch hat eine helle (1 und 2)und eine dunkle Seite (3 und 4).

Und wie in den Star Wars Filmen deutlich wird, ist es super wichtig sich seiner Gefühle (seines Selbst oder genauer: Seiner hellen Seite)  bewusst zu sein.

Heißt: Sich selbst zu beobachten, damit immer die helle und nicht die dunkle Seite das Sagen hat. Wer sich stattdessen jedoch auf den einfachen Pfad begibt und seinen Gefühlen/Launen freien Lauf lässt (der schnelle Weg!), bewegt sich im Bereich der dunklen Seite und seines eigenen Unterbewusstseins. Das sind die Zeiten, in denen wir gestresst und unkontrolliert sind und meistens Sachen tun oder sagen, die wir später bereuen. Star Wars erzählt uns also in gewisser Weise etwas über uns selbst und wie wir Menschen so generell ticken.

Aber bestimmt haltet ihr das für ziemlich abstrakt und abgehoben.

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Star Wars Psychologie

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Die zwei Seiten einer Medaille: Anakin Skywalker und Darth Vader

Also kommen wir zu unserem Beispiel: Anakin Skywalker alias Darth Vader. Eine Figur mit zwei so heftig auseinander liegenden Seiten, dass wir denken, es wären zwei ganz verschiedene Personen. Auf der einen Seite, der kleine, liebe Junge, der allen helfen möchte. Und auf der anderen Seite ein riesiger, schwarzgewandeter Bösewicht, der mehr wie ein Roboter aussieht. Sie sind total verschieden! Und doch gehören sie zusammen. Das kann man mithilfe unserer vier Bausteine erklären. Besonders sinnvoll sind da die Episoden 2 und 3 der Star Wars Reihe. Denn dort wächst Anakin quasi auf. Und es zeigt sich ein interessanter Konflikt: Anakin nutzt hauptsächlich sein Denken und seine Intuition (seine helle Seite, Nummer 1 und 2).

Er denkt eher konkret, sachlich, nützlich (was kann ich „tun“?), hat Probleme mit dem „Gefühlssschwachsinn“ der Jedi und seinem sehr abstrakten Mentor. Er ist ungeduldig, mag Action, fühlt sich zurückgehalten. Er glaubt, er weiß schon alles usw. Die Jedi sind jedoch ganz anders. Wenn man die Jedi verallgemeinern würde, dann wären die wichtigsten Bausteine Fühlen und Intuition: Streben nach einem Gleichgewicht, Harmonie, Helfe deinem Nächsten, Theorie pur usw. Das, was die Jedi wirklich ausmacht, befindet sich bei Anakin in seinem Unterbewusstsein (seine dunkle Seite) und absolut nicht sein Ding! Hinzu kommt Anakins Achillesferse in Form von „Empfinden“. Er glaubt, dass seine Sinne und physischen Wahrnehmungen sein wahres Selbst sind, weil sie am lautesten „schreien“. Doch ein Jedi lebt in erster Linie in und durch seinen Geist. Ein klarer Konflikt, in  dem er sich bewegt. Zumal er auch erst spät in die Lehren der Jedi eingeweiht werden konnte.

Die unterbewusste Seite ist, wie oben schon beschrieben, bei jedem Menschen ein Kind, eben nicht entwickelt und nicht erwachsen. Jeden Tag wird er daran erinnert, was er alles falsch macht und er kann es nicht wirklich ändern.

Langsam, aber sicher, wird er durch die Kritik der anderen Jedi (an seiner Kindlichkeit/seinem Unterbewusstsein) und durch seine eigenen Bedürfnisse von seiner dunklen Seite verführt… und es kommt, wie es kommen muss: Er fällt. In gewisser Weise verändert er sich total. Und in gewisser Weise wird er auch so, wie er eigentlich sein sollte. Nun hat er die Macht, die er immer wollte. Er hat kein metaphysisches Geschwätz mehr um sich herum und kann im Prinzip tun und lassen, was er will. Natürlich hatte das seinen Preis. Er hat seine eigene Frau und hunderte Jedi getötet. Und damit hat er gewissermaßen seine beiden „dunklen“ Funktionen (Fühlen und Empfinden) in sich selbst eliminiert. Das ist natürlich nicht „normal“. Er wird zu einem verkrüppelten Ich, das zwar seine beiden Nummern 1 und 2 benutzt, aber den Rest seines Unterbewusstseins völlig verdrängt (bzw. getötet hat).

Im Idealfall versöhnen wir uns jedoch mit unseren niederen Funktionen (unserem Unterbewusstsein) und akzeptieren, wer wir sind, mit unseren Schwächen (und erschlagen sie nicht! 😉 ). Das ist der Weg der Jedi und der hellen Seite. Das ist jedoch ein sehr langsamer und anstrengender Prozess. Und interessanterweise passiert dann am Ende von Star Wars genau das: Die helle Seite kehrt zurück. Luke Skywalker, sein Sohn und ebenfalls ein Jedi, bekehrt seinen gefallenen Vater kurz vor seinem Tod. Interessant ist, dass Luke Skywalker genau die zwei Bausteine verkörpert, die einen Archetypen-Jedi auszeichnen: Fühlen und Intuition. Das erklärt auch, wieso Luke (obwohl er erst viel später als Anakin ausgebildet wurde!), viel besser und schneller ins Reine mit sich und der Welt kommen kann.

So erreicht Anakin am Ende doch noch sein Happy-End und zwar durch eine andere Person von außen, die ihm zeigt, dass doch tatsächlich noch etwas in ihm steckt, dass er glaubt getötet zu haben. Es ist genau dieser innere Friede von Anakin (in der letzten Szene, wo er als Geist auftaucht), den wir Menschen auch versuchen können zu erreichen. Als ein weit, weit entferntes Ziel am Ende unserer persönlichen Entwicklung…

Und so hat uns Star Wars etwas beigebracht, was wir oft gar nicht wirklich in Worte fassen können.

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Weitere Themen:

Das Geheimnis von Jung

Eine Erklärung zu Jungs Funktionen

Die Funktionen von Jung, Teil 1

Jung – Eine Einführung mit Farben

Published inselbstbewusster werden

2 Comments

  1. […] “hell” oder “dunkel”, wie im klassischen Hollywood-Film oder bei Star Wars, aber sie können es sein. Häufig sind die beiden Seiten klar getrennt – weil es einfacher […]

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