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Du, ein Held

heldenreise
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Ich habe ja schon etwas zu der Heldenreise geschrieben und versprochen weiter auf die Bedeutung der Heldenreise auch abseits von Phantasie und Fiktion einzugehen.

Ich möchte die Kernaussage dieses Mal ganz an den Anfang stellen und sie lautet:

Du (egal, wie groß, schlank oder alt) bist genauso ein Held, wie ein Harry Potter, ein Frodo Beutlin, ein Luke Skywalker oder irgendein anderer  Held, der dir imponiert.

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Warum?

Der Monomythos der Reise des Helden ist universell. Es ist eine Struktur für das Lernen an sich. Eine Metapher für die Entwicklung eines Menschen. Man schaue sich nur mal die biographischen Geschichten realer Helden an, wie Steve Jobbs, Bill Gates, J.K. Rowling oder einem Cristiano Ronaldo (der aus ärmsten Verhältnissen stammt). Sie alle symbolisieren in gewisser Weise die allgemeingültige Struktur der Heldenreise. Das sind moderne Mythen. Als “Beweis” für ihre Wirkung möchten ich auf ihren Bekanntheitsgrad verweisen (klar, durch die Medien gefördert, ja, aber warum können die Medien diese Geschichten so breit treten? Weil diese Geschichten bei den Lesern und Zuschauern ankommen!). Diese Geschichten bewegen Menschen, weil ein jeder Mensch im Grunde ähnliche Probleme, Konflikte und Prüfungen zu durchleben hat. Und jeder Mensch möchte wissen, ob das Ende seiner Geschichte gut ausgehen kann und sucht Hilfe und Inspiration. Dabei ist es gleichgültig, ob diese Inspiration nun aus der realen Welt stammt (Rowling und Co.) oder aus fiktionaler Literatur (Harry Potter und Co.).

Aber kommen wir zu der Heldenreise und ein paar Beispielen.

Der Ruf des Abenteuers

Der Ruf des Abenteuers kann auf vielfältige Weise erfolgen.

  • Es kann die Eule sein, die einen Brief vor die Haustür wirft. Einen Brief, der die Eintrittskarte in eine neue Welt bedeutet. [Harry Potter]
  • Es kann ein Droide sein, der eine Botschaft von einer Prinzessin in sich trägt. [Star Wars]
  • Es kann der alte Ring sein, den dein Onkel auf Umwegen gefunden hat, der vernichtet werden muss. [Herr der Ringe]
  • Es kann aber auch ein Betrug sein. Dein Partner hat dich betrogen und nun bricht deine bisherige Welt auf einmal zusammen.
  • Es kann ein Verlust sein. Ein geliebter Mensch tritt aus deinem Leben und du hast keine Ahnung, wie dein Leben nun weiter gehen soll.
  • Es kann eine Krankheit sein, die deine gesamten Pläne über den Haufen wirft.
  • Und es können Schwierigkeiten im Beruf sein, die dich dazu zwingen über dich und dein bisheriges Leben nachzudenken

Der Konflikt, der sich oft aus solchen Gegebenheiten ergibt, ist der zwischen Sicherheit und Abenteuer. Menschen, die die Sicherheit bevorzugen, werden irgendwann in ihrem Leben dazu gezwungen, sich dem Abenteuer zu stellen, ob sie wollen oder nicht. Doch es muss nicht zwingend der plötzliche Schicksalsschlag sein, der dich ins Abenteuer führt. Es gibt auch genug Menschen, die das Abenteuer bevorzugen. Menschen, für die es eine Motivation ist, sich dem Unbekannten zu stellen. Oft müssen diese Menschen sich den Bedürfnissen nach Sicherheit ihrer Umwelt stellen: Den Schwellenwächtern.

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Die Schwelle und die Schwellenwächter

Luke Skywalker erhält die Botschaft des Droiden R2D2, doch das alleine ist für ihn noch lange kein Grund sich ins Abenteuer zu schmeißen. Obwohl er insgeheim schon länger damit liebäugelt, wie seine Freunde “in die Galaxie” hinaus zu fliegen, fühlt er sich gegenüber seinen Adoptiveltern verpflichtet und schlägt den Ruf des Abenteuers aus. Das klappt natürlich nicht. Alleine die Anwesenheit des Droiden führt dazu, dass seine Adoptiveltern getötet werden und Luke seine Aufgabe angehen muss, ob er will oder nicht. Es heißt sterben oder fliehen (Abenteuer).

Harry Potter will dagegen bereitwillig ins Abenteuer stürzen. Als er erfährt, dass er ein Zauberer ist, hält ihn nichts mehr in der “grauen Alltagswelt” bei seinen ungeliebten Adoptiveltern (Adoptiveltern kommen häufig vor, wenn es um moderne Mythen geht, wie es scheint 😉 ). Doch diese stellen sich ihm und seinen Wünschen in den Weg und verweigern an seiner Stelle den Ruf des Abenteuers. Auch diese Verweigerung führt am Ende zu nichts. Ein Halbriese findet die Familie auf einem entlegenen Inselchen im Meer, tritt die schwere Holztür ein und “befreit” Harry aus der “Sicherheit” seiner Familie.

Gut, das sind fiktionale Beispiele typischer moderner Mythen. Aber sieht es in der Realität anders aus? Verweigert sich der betrogene Partner nicht zu glauben, dass er betrogen worden ist? War das nicht vielleicht alles nur ein Mißverständnis? Ein Fehler kann ja mal passieren, das wird schon wieder werden. Und selbst wenn jedem klar ist, dass das nicht so ist, ist es immer noch eine ganz andere Hausnummer wirklich die Konsequenzen zu ziehen. Vielleicht bin ich auf das Geld meines Partners angewiesen? Wie soll es weitergehen, wenn ich mich von ihm/ihr trenne? Man verweigert sich dem Unausweichlichen. Das ist menschlich und normal und gehört zu dem Weg, den jeder irgendwann, irgendwo gehen muss.

Doch nicht jeder Mensch wird von seinem Partner betrogen oder verliert einen geliebten Menschen, klar. Aber egal, ob es Krankheit, berufliche Probleme oder Ehekrisen sind. Wir wollen es meist zuerst nicht wahrhaben. Die ständigen Kopfschmerzen sind kein Tumor und die ständige Müdigkeit kein Anzeichen für Depressionen. Auch meine Bauchschmerzen, wenn ich zur Arbeit gehe sind völlig “normal” und gehen schon wieder oder gehören einfach zur Arbeit dazu. Die Angst des Menschen führt zur Verweigerung, doch ob wir wollen oder nicht, wir werden die Schwelle übertreten müssen. Die Schwelle, die weg von der alltäglichen Welt -der Sicherheit- hin zu dem Unbekannten -dem Abenteuer- führt.

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Die Prüfung(en)

Sobald die Schwelle überschritten wurde, beginnt die neue Welt. Die Zaubererschule wird begonnen, die Reise aufgenommen, eine Behandlung gestartet, der Job gekündigt oder der Partner verlassen. Und dann beginnen die Prüfungen. Ich muss mich in der neuen Welt zurecht finden. Über Zauberei lernen, mich fiesen Bösewichtern oder einer Krankheit im Kampf stellen, mich auf dem Arbeitsmarkt neu positionieren und versuchen Geld zu verdienen oder eine neue Wohnung suchen und (wieder?) lernen alleine klar zu kommen. Die Prüfungen sind zahlreich, vielfältig und langwierig und müssen bestanden werden.

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Die Rückkehr

Doch es gibt ein Happy-End. Auch wenn ich mich vor der Herausforderung drücken wollte, so fühle ich mich nach der Aufgabe befreit. Ich habe mich in der neuen Umgebung zurecht gefunden, die Zauberei gemeistert, den Bösewicht bezwungen, einen neuen (besser passenden) Job oder auch einen neuen Partner gefunden. Ich habe etwas gelernt. Ich habe vor allen anderen Dingen gelernt mir selbst zu vertrauen. Das geht nur, wenn ich etwas wirklich schwieriges geschafft habe: Mich meinen Ängsten gestellt habe. Man hat eine Entwicklung durchgemacht und ist nun in gewisser Weise ein anderer Mensch. Ein anderer Mensch, der wiederum die Welt um sich herum anders wahrnimmt und alleine durch seine Anwesenheit und sein Beispiel, die Welt um sich herum verändert. So wie es Steve Jobbs, Bill Gates, J.K. Rowling oder ein Cristiano Ronaldo auch getan haben. Dafür sind Helden schließlich da!

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P.S.

Ich selbst bin gerade dabei eine solche Heldenreise zu bestehen und ganz sicher nicht der einzige. Ich freue mich jederzeit über eure Geschichte(n).

Published inHelden des Alltagsselbstbewusster werden

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