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Meilenstein: Der Möchtegern-Introvertierte

Jaja, heute ist Valentinstag. Heißt: Das neue Jahr (2014) ist schon etwas länger angebrochen. Und dennoch ist dies hier mein erster Beitrag in diesem Jahr und überhaupt der erste seit fast 3 Monaten! Shame on me!

Nun ja, ist nicht mehr zu ändern, sagt die eine Stimme in meinem Kopf.

Die andere sagt: Aber ich kann es erklären!

Immerhin ist dieser Beitrag hier schon ein recht “üppiges” Ding. In der Wissenschaft würde man es einen “Paradigmenwechsel” nennen. Ich selbst nenne es “Meilenstein”. Ein Meilenstein ist mir zuletzt öfters im Studium begegnet (besonders wichtig für Projektplanung und so). In diesem Fall ist es ein Meilenstein meiner persönlichen Entwicklung, auch im Bezug auf mein Verständnis von Jung und seinen psychologischen Funktionen. Ja, ich gebe es offen zu: Ich bin eine Weile davon ausgegangen, dass ich schon alles wissen würde, was es über mich oder psychologische Funktionen zu wissen gäbe. Shame on me!²

Genauer bin ich auf dieses Problem schon einmal hier (zum Thema “Möchtegern-Genie”) eingegangen. Und dennoch bin ich Opfer meiner eigenen Unwissenheit geworden und muss Sokrates (?) nachplappern: “Ich weiß, dass ich nichts weiß.”

Naja, nicht ganz, denn sonst wäre dieser Beitrag hiermit vorbei. Ist er aber nicht. Er fängt gerade an. (Uuuuuuuuuund er wird laaaaaang! 😉 )

Die Anzeichen und Erkenntnisse haben sich über einen längeren Zeitraum angesammelt und wurden inzwischen schon eine Weile überprüft (daher auch keine Beiträge in den letzten Wochen), so dass ich (relativ!) sicher sein kann, dass es nicht wieder eine Eintagsfliegen-Idee ist (davon habe ich ne Menge, nur eben…nicht lang! 😉 ).

Ich beschäftige mich nun schon eine halbe Ewigkeit mit mir selbst und meiner typologischen Einordnung in die Welt der Psychologie und ich bin immer felsenfest davon ausgegangen, dass ich nicht nur introvertiert, sondern extrem introvertiert sei. Schließlich haben das alle Tests übereinstimmend behauptet (von denen ich inzwischen bestimmt an die tausend durchgeführt habe). Und außerdem bot meine introvertierte Seite mir eine nette Erklärung, warum ich oft dachte, dass mich keiner so richtig versteht. Ich dachte mir: Warum sehe ich die Dinge so anders, als die meisten Leute mit denen ich rede/schreibe? (Zur Erklärung: Introvertierte gelten als eher selten UND als super getarnt! Man begegnet also fast nur Extrovertierten im “normalen” Leben…so die Theorie…)

Ich dachte also, ich wäre ein INFP. Ein introvertierter Träumer, verdammt dazu die Welt um mich herum nicht zu verstehen.

Doch wie es scheint, habe ich mich geirrt.

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Der schüchterne Extrovertierte

Doch ich habe einen Fehler begangen, den viele angehende “Typologen” (= Leute, die sich mit Typen beschäftigen und sie bestimmen wollen, meine Erfindung! 😉 ) machen: Ich habe Schüchternheit mit Introvertiertheit verwechselt.

Das, was ich bin, nennt man schüchtern. Ängstlich, wenig Selbstbewusstsein, zögerlich, nachdenklich usw.

Introvertiert bedeutet, dass man eine Art “Brille” zwischen sich selbst und der Welt außerhalb hat, die die objektive Sicht einschränkt. Diese Brille gibt es in vier Variationen: Fühlen, Denken, Empfinden und Intuieren. (siehe: Welcher Typ bist du?)

Ich dachte meine Brille wäre Fi (introvertiertes Fühlen), weil das der Kern eines INFP ist. Und ich hatte ja immer als INFP getestet…

Die Wahrheit ist allerdings, dass ich ein schüchterner ENFP bin. Mit den kognitiven Funktionen von Jung gesprochen, bedeutet das: Mein Ne (extrovertierte Intuition) ist mein Kern und Fi ist nur die Nummer 2 (Bei einem INFP ist das genau umgekehrt!). (Mehr Infos zu Jungs Funktionen gibt es hier (Typen) und hier (Reihenfolge))

Wie es zu dieser Einsicht kam? Nun ja, zum Einen hatte ich immer wieder Zweifel an meiner INFP-Diagnose, bin gefühlte hundert Mal von A bis Z der Persönlichkeitstypologie gelaufen, wieder zurück, nochmal im Kreis und bin dann doch bei INFP geblieben. Bis es erneut begonnen hat.

Diese Zweifel haben mich wahnsinnig gemacht! (Und ja, es gibt sie immer noch, allerdings etwas abgeschwächt 😉 ).

Zum Anderen hatte ich eine nette Einschätzung einer Blogger-Kollegin (danke, Calise! 😉 ) bezüglich meines Types. Und sie hatte keinerlei Zweifel: Ganz klar ENFP. Und das inklusive ausführlicher Erläuterung!

Boom!

Zuerst fand ich es ganz interessant und logisch, was sie so schrieb. Aber es kamen schnell wieder Zweifel. Speziell, wenn ich mir so die Beschreibungen von ENFP im Netz durchgelesen habe: Durchgedrehte Partyjunkies, die jeden anquatschen, der nicht bei 3 auf dem Baum ist und die eine Aufmerksamkeitsspanne einer Mücke auf Ecstasy haben.

Neeeee, so bin ich nicht, dachte ich mir. Ganz und gar nicht! Denn ich bin ja introvertiert!

Tja, natürlich habe ich mich geirrt. Ich bin schüchtern und total Ne-gesteuert. Warum? Bitte weiterlesen.

 

Extrovertierte Intuition und Ich

[Ab jetzt werde ich etwas persönlicher. Das ist allerdings kein Problem, da ich glaube, dass es eh niemand durch die Mauer aus Text bis hierhin schafft. Geheimnisse gesichert: by Wall of Text!]

Warum Ne mein Kern ist?

Darum: (hilft vielleicht dem einen oder anderen zu verstehen, was Ne wirklich bedeutet…ist aber nur nebensächlich 😉 )

  • ich habe eine verdammt schnelle Auffassungsgabe (für theoretische Dinge, wie Konzepte, Texte, mathematische Muster etc.). Das geht allerdings auf Kosten der Gründlichkeit (Achillesverse)
  • ich habe immer mindestens zwölf Tabs im Browser geöffnet und switche ständig hin und her. Selbst interessante Texte kann ich nicht an einem Stück lesen ohne innerlich Durchzudrehen! Zack, zum nächsten Tab! Ich fange lieber tausend Projekte an als eines vom Anfang bis Ende durchzuziehen (das spiegelt sich auch leider in meiner Blog-Struktur wieder…)
  • ich habe nervöse Ticks (erkennbar an meiner Hand im Gesicht!). [Das ist deshalb wichtig, weil Fi eine eher ruhige, ausgeglichene Funktion ist, die äußerlich eher kühl und unbeweglich wirkt]
  • ich habe ständige Zweifel an nahezu allem (besonders den eigenen Erkenntnissen). Ist charakteristisch für Ne und selbst der Jungianer John Beebe (auch ein Ne-Typ) hatte lange mit sich und seiner angeblichen Introvertiertheit zu kämpfen
  • ich liebe Spiele, die aus der Vogelperspektive (man muss sich nicht um die Details kümmern, sondern kann das große Ganze steuern/gestalten) gespielt werden können: Anstoss3, Die Sims, Risiko, Plague Inc (danke Cabor! 😉 ) und andere Strategiespiele. Wegen Anstoss3 wollte ich übrigens Fussball-Manager werden…bis mir klar wurde, um was für Details man sich dabei in der Realität zu kümmern hat! 😉
  • ich kann innerhalb kürzester Zeit den Kern eines Textes, einer Information erfassen und relativ verständlich wiedergeben (passt zur schnellen Auffassungsgabe!)
  • ich kann nicht wirklich etwas aus mir selbst heraus erschaffen (zum Beispiel eine Geschichte). Alle meine kreativen Ideen kommen irgendwie “von außerhalb” (extrovertiert bedeutet nichts anderes!). Ich brauche Ideen, Informationen von außen, zum Beispiel in Form eines interessanten Artikels oder Gesprächspartners. Sobald ich so etwas habe, fallen mir richtig coole Ideen ein. Ich erschaffe also nicht, sondern ich kombiniere etwas Neues aus gegebenen Dingen/Ideen/Infos. Ich liebe daher Brainstorming (<— das Wort, das Ne am besten beschreiben kann!)
  • ich leide unter akuter Aufschieberitis und Prokrastination. Ich bin pfeilschnell, wenn die Deadline in der Nähe ist und hab die Geschwindigkeit einer Schnecke, wenn die Deadline “in weiter Ferne” (z.B. übermorgen)  ist
  • ich habe schon relativ früh relativ problemlos eigene Geschichten oder Spiele erfunden, z.B. wie man nur mithilfe eines jüngeren Bruders ein ganzes Fussball-Turnier simulieren kann 😉
  • ich bin kein Planer, kann allerdings recht gut improvisieren (Es geht besser, wenn ich eine grobe Idee/Konzept im Kopf habe, klappt aber auch nicht immer, speziell, wenn es eine Aufgabe ist, die konkrete Details erfordert…)
  • Interesse an vielen Dingen, aber nur oberflächlich. Ich bin mehr so der dilettantische Allrounder und kein Spezialist!
  • ich bin ein relativ talentierter Mediator, weil ich flexibel denken und beide Seiten einer Situation betrachten kann. Der Nachteil: Ich habe selten eine knallharte und feste Meinung, die Widerstände überlebt.
  • ich habe schon immer gerne moderiert, z.B. bei Diskussionen in der Schule/Uni oder bei Spiele-Abenden
  • ich habe als erstes Geschichtswissenschaften studiert. Das ist insofern bemerkenswert, da Ne-Typen oft diesen Weg gehen, um aus der Vergangenheit Dinge für die Gegenwart herauszuziehen. Ich wollte so damals Inspirationen für meine glorreiche Schriftsteller-Karriere sammeln (hat nicht so ganz geklappt 😉 ). Aber Geschichte war auch mein bestes Schulfach im Abi…
  • ich kann besser Referate/Präsentationen halten als Hausarbeiten schreiben (Details und Oberflächlichkeit!)
  • in meiner besten Schulstunde als Referendar habe ich mit den Kindern “Schlag den Raab” gespielt: eigene Spiele angewendet auf das zu erlernende Wissen + Spaß = ein v0ller Erfolg!
  • ich studiere nun “interdisziplinäre Medienwissenschaften”. Es gibt kein besseres Fach! Ein herrlicher Einblick/Überblick in viele Bereiche nach eigenem Interesse.
  • Joseph Campbell (zu dessen Ideen ich mich schon während meines Lehramtsstudiums hingezogen gefühlt habe) gilt laut Celebrity-Types als ENFP.
  • ich liebe das Plotten/Entwickeln von Charakteren/Figuren/Stories (passt zu Brainstorming!)
  • ich mag dagegen keine zu realen Geschichten ohne Ironie oder einen kreativen Hintergedanken (stattdessen mag ich Fantasy, Science Fiction, Wortspiele und ironischen Humor)
  • ich habe ein gesundes Halbwissen oder auch: kontextuelles Denken. Heißt: Ich bin besonders stark in Quiz-Spielen, die mehrere Antwortmöglichkeiten bieten und nicht zu gebrauchen in reinen Wissensangelegenheiten (passt zu dilettantischer Allrounder)
  • Ne-Typen haben oft psychosomatische Problemchen…ich natürlich nicht 😉
  • ich werde (relativ) schnell (relativ) “wütend”, wenn Menschen sagen, dass etwas “unmöglich” sei. Das liegt ganz einfach daran, dass Ne die Funktion schlechthin zur Erkennung von Möglichkeiten (siehe Brainstorming) ist. Toyota müsste der ideale Arbeitgeber für Ne-Typen sein…
  • Und natürlich hat Ne auch so seine Auswirkungen im Bereich der Liebe…doch darüber schweige ich an dieser Stelle lieber 😉 Ist aber ein netter Schlusspunkt meiner monumentalen Auflistung, wie ich finde. 🙂

So. Sollte es wirklich jemand bis hierher geschafft haben, so erhält er 100 wertvolle Gummipunkte von mir (bitte schön!) und noch einen Hinweis: Ich weiß, dass ich nichts weiß (kommt euch/dir bekannt vor, ne?). Das gilt noch immer. Ne ist stark in mir. Was ich heute schreibe, kann morgen schon wieder falsch und/oder vergessen sein. Die oben veröffentlichte Liste enthält eher so etwas wie Merkmale von Ne, die sicher unterschiedlich sind von Individuum zu Individuum. Also das ganze bitte nicht zu ernst nehmen. Danke! 🙂

Published inselbstbewusster werden

9 Comments

  1. Hmh, ich weiß nicht, ob das schlagkräftige Argumente sind. INFP und ENFP haben immerhin dieselben Funktionen in umgekehrter Reihenfolge (INFP-FiNe) und (ENFP – NeFi). Schnelle Auffassungsgabe hat nicht nur mit deinem MBTI-Typ zu tun. Ein INFP nutzt auch Ne und ist deshalb nicht mehr oder weniger auf den Kopf gefallen als der ENFP. Aber klar es gibt sicher auch schüchterne Extravertierte. Vielleicht solltest du dich eher fragen, wie sicher du dir mit der Extraversion sein kannst. Brauchst du die Interaktion mit deinen Mitmenschen, ziehst du sie dem Alleingang vor? Hast du eher weniger das Bedürfnis nach Rückzug und entspringt dies nur Schüchternheit? Warum sollte ein INFP keine Ticks haben? Sie mögen nach außen extrem ruhig wirken, tatsächlich können sie innerlich brodeln. Das was du so beschreibst und dem Ne zuordnest kann ein INFP auch prima. Also das letzte Wort ist noch nicht gesprochen…

    • Natürlich sind das keine wirklich schlagkräftigen Argumente gegen INFP oder für ENFP, da hast du selbstverständlich recht. 🙂

      Bei dieser Liste geht es mir eher darum Ne zu beschreiben und mit meinen Ticks/Eigenheiten in Verbindung zu bringen. Der Text ist auch eher nicht für fortgeschrittene “Jungianer” wie dich geschrieben. 😉

      Aber kommen wir zu der XNFP-Frage und ins Jungsche Detail:

      Für mich ist inzwischen (relativ) klar, dass ich ein N-dom bin und kein F-dom. Die Punkte, die du anführst im Bezug auf Alleingang/Interaktion/Rückzug etc. sind genau die Dinge, die mich nie daran zweifeln lassen haben, dass ich introvertiert ticke. Allerdings ist diese Interpretation (also woher kommt meine “Energie”) wohl nicht so ganz korrekt, was Jung und seine Funktionen betrifft. Das ist eher eine MBTI-Variante von Jungs Ideen. Ich gehe auf dieses Thema in meinem nächsten Beitrag noch ein, nämlich der Unterscheidung zwischen sozialem und kognitiven Typ. Ich finde die Idee plausibel, dass das soziale Verhalten mehr durch die Interaktion mit der konkreten Umwelt geprägt wird als nur durch die psychische Ausstattung.

      Für mich ist der Konflikt/Komplex von NeSi wesentlich zentraler als der von FiTe in meinem Leben. Für mich ist das auch ein Grund, warum ich lange zwischen INFP und INTP geschwankt habe. Weder F noch T sind bei mir sonderlich klar definiert/entwickelt (das kommt wohl noch 😉 ), ganz im Gegensatz zu Ne.

      Außerdem ist Ne der introvertierteste extrovertierste Prozess schlechthin. 😉 Gepaart mit dem sehr introvertierten Fi (der sich normalerweise ab dem Teenie-Alter zu entwickeln beginnt) ergibt das ein Muster, das (aktuell!) zu meiner Entwicklung passt.

      Allerdings gebe ich dir voll und ganz recht, wenn du sagst, dass da das allerletzte Wort noch nicht gesprochen ist, denn ich schwanke viel und ständig. 😉

      Was meinst du dazu?

      P.S. Danke für dein Feedback! 🙂 Mehr davon 😉

      • Na, ich habe auch nicht die Weisheit mit Löffeln gepachtet und halte mich zurück mit guten Ratschlägen. Auf jeden Fall hört sich dein ständiger Zweifel und dein Bedürfnis neu eruieren zu müssen sehr nach P an. Ich glaube ich bin da mit meinem J mehr auf Entscheidung und Anwendung getrimmt.
        Ich bin ein klar introvertierter Mensch. Zumindest sehe ich das, wenn ich mir extravertierte Menschen in meiner Umgebung anschaue. Für mich ist das zum einen eine Frage meiner Energie, die ist schlichtweg hinüber, wenn ich mich nur eine relative kurze Zeit unter Leute mische. Da ich auch noch Fe bin (INFJ) ist das ein echter Konflikt für mich. Ich kann die Bedürfnisse meiner Mitmenschen nicht einfach so ignorieren. Ich fühle mich dann hin und her gerissen zwischen meinem tiefen Bedürfnis, Verständnis für andere aufzubringen und ihnen entgegen zu kommen und meinem intensiven Bedürfnis nach allein sein mit mir und meinen Gedanken. Ich denke neben der nicht vorhandenen Energie für so viel Interaktion, ist es für mich auch eine Frage des Selbstverständnisses in Bezug auf beide Welten. Ich schaue mir meine Umwelt wie ein Beobachter an und weniger wie ein Teilnehmer. Ich komme mir oft vor als wenn das alles irgendwie unabhängig von mir läuft und manchmal meine ich auch, mich auch einfach mal unbemerkt ausklicken zu können. Ich glaube ein Extravertierter empfindet sich da sicher mehr als ein Teil der Umwelt bzw. hat mehr ein Gefühl der Zugehörigkeit. Ich trenne mich ganz stark von meiner Umwelt ab und habe dann auch noch ein schlechtes Gewissen meinen Mitmenschen gegenüber (Fe).
        Aber sicherlich gibt es sehr unterschiedliche Grade von Extraversion und Introversion und warum soll ein Mensch nicht auch irgendwo dazwischen stehen können. Die mir bekannten ENFP sind oft ausgesprochen extravertiert. Die Theorie von den angeblich so wenig extravertierten ENTP (in dem Fall) habe ich auch schon gehört. Es entspricht aber auch nicht meiner ausschließlichen Erfahrung. Ich kenne einige super extrovertierte ENXP, die mich damit total schlauchen. Nun gut es kann auch daran liegen, dass die ruhigen ENXP nicht so ohne weiteres auffallen. Aber das spricht ja wiederum für unterschiedliche Grade von E und I.
        Ich habe mal den Test von http://www.keys2cognition.com/explore.htm gemacht von Dario Nardi. Da kann man die Funktionen nach Intensität der Anwendung testen und da war ich sehr nah am INFP. Also mein Fi und Ne waren auch sehr stark, allerdings war Ti und Ni deutlich stärker ausgeprägt und Si und Te rangierten ziemlich weit unten. Nachteil des Tests ist, dass die Fragen ziemlich kompliziert sind und man erst mal verstehen muss, was gemeint sein könnte. Also ich habe das Gefühl je älter ich werde, desto mehr entwickle ich andere Funktionen und am Ende kann ich fast jeden Typ „spielen“. Aber innen fühle ich mich immer noch INFJ.
        PS: Ich freue mich übrigens sehr dein Blog entdeckt zu haben bzw. jemanden der sich auskennt. 😉
        Ich werde noch ein wenig über deine Interpretation von I und E nachgrübeln. Vielleicht schreibe ich da mal drüber. 

        • Mein Kernpunkt des kommenden Artikels ist quasi folgender: In einer Umgebung, die mein Ne aufblühen lässt, hab ich keinerlei Energie-Probleme und sehe auch ganz sicher nicht wie ein Introvertierter aus!
          Betrachte ich diese Situationen, dann ist klar, dass ich NICHT lieber alleine wäre um Kraft zu tanken. Aber dennoch erschöpfen mich viele Situationen, die mein Ne als anstrengend/drückend oder langweilig empfindet. Verstehst du, was ich meine? 😉

          Deine Selbstbeschreibung harmoniert auf jeden Fall mit dem, was ich bisher so über INFJ’s gelesen habe. Wobei der Aspekt des “Fe-Einmischens” manchmal noch mehr betont wird. Wie sieht es bei dir generell mit einer Meinungsäußerung aus? Hast du größere Probleme deine Einstellung zu finden und klar zu vertreten? Oder fällt es dir leicht? Fi-Typen (wie INFPs) halten ihr “Judgement” eher innen und haben größere Probleme mit der Äußerung, da Te bei ihnen nur an letzter Stelle steht. INFJ müssten, laut Theorie, viel besser darin sein ihre Meinung zu äußern, aber größere Probleme haben eine eigene Meinung (unabhängig von ihrer Außenwelt!) zu finden.

          Dies ist/war auch mein Problem mit dem INFP, denn obwohl ich nicht gut und klar urteilen (Judgement) kann, hab ich auch keine so rechte Ahnung, wie ich zu gewissen Dingen stehe (was INFP, in der Theorie, ziemlich genau wissen!).

          Hast du die Leute (ENXP) in deinem Bekanntenkreis selbst analysiert oder sie sich selbst? Da ich selbst solche enormen Schwierigkeiten bei der Einschätzung von mir selbst und Anderen habe/hatte, bin ich da recht vorsichtig geworden. 😉 Fe-Typen sind meiner Einschätzung nach auch wesentlich “extrovertierter” als Ne-Typen, da Ne (und Se) eher mehr Beobachter-Funktionen (Perceiver) sind.

          Den Test von Dario Nardi habe ich schon ein paar Mal gemacht, leider fast immer mit anderen Ergebnissen, je nach aktuelller “Laune”. 😉 Es lässt sich jedoch ein starker Trend zu Ne und Ti feststellen (bei Ti war ich mir allerdings bei den Fragen nicht so recht sicher, ob ich die gleiche Einschätzung von der Funktion habe, wie sie gemeint ist…).

          Allerdings bin ich auch bei solchen Tests skeptisch. Da, laut Jung, die Typen eher mehr “Komplexe” als “Fähigkeiten” sind. Als Fähigkeiten sind die Funktionen jedoch wesentlich einfacher zu greifen, wie ich gestehen muss. 😉

  2. Das Finden meiner eigenen Meinung ist nicht das Problem. Aber ich finde die Umsetzung oft schwerer. Das sehe ich wenn ich mich mit einer INFP Freundin von mir vergleiche. Die weiß genau was sie will und setzt sich Situationen nicht so aus, die ihr nicht passen. Ich bin da anders. Ich nehme die Bedürfnisse anderer oft ernster als meine eigenen und fühle mich dann hin und her gerissen. Grotesk ist das dies nicht nur die Bedürfnisse enger Bekannter von mir betrifft sondern nicht selten auch die von Leute, die mir eigentlich nicht nah stehen.

    Die besagte INFP Freundin gestand mir kürzlich, dass sie immer genervt ist, wenn Leute sie fragen, ob es ihr gut geht. Gerade wenn sie nicht gut drauf ist, möchte sie dies nicht unbedingt mitteilen. Ihre Erklärung dafür war, dass sie dann in einen inneren Konflikt kommt zwischen ihrem Wunsch authentisch zu sein und zu sagen, wie „besch..“ sie sich fühlt und der Erkenntnis, dass der andere ihre krasse Meinung nicht hören will oder besser nicht hören sollte, da in der Situation nicht angebracht. Für mich ist da eigentlich überhaupt kein Konflikt. Ich sage, das was die Situation erfordert und das muss nicht die „Wahrheit“ sein.

    Der aus meiner Sicht sehr extravertierte ENTP hat seinen Typ mit MBTI bestimmen lassen. Wenn ich genau über ihn nachdenke, äußert sich die Extraversion nicht unbedingt in einem großen Bekanntenkreis als mehr in seinem Enthusiasmus für seine Ideen. Er redet verdammt gerne darüber und hat überhaupt keine Scheu auf andere Zuzugehen. Allerdings war er als junger Mensch extrem schüchtern, hat er mal gestanden. Die ENFP Bekannten kennen ihren Typ nicht. Aber ich spüre das Ne sehr stark und sie gehen schnell auf andere zu und sind alle sehr enthusiastisch. Das mag ich auch an ihnen. Ich glaube ohne Ne wäre die Welt viel trister.

    Ich weiß nicht, ob mich Fe wirklich extravertierter macht als ein Fi (Introvertierter). Da ich mich mehr nach anderen richte, mag das so aussehen. Ich glaube, dass die Mimik von introvertierten Fe-Typen deutlich ausdrucksstarker ist als von introvertierten Fi-Typen. Ich wirke kontaktfreudiger und weniger zurückhaltend. Dies betrifft aber nur Situationen, in denen ich entspannt bin und bereit Kontakte zu knüpfen. Aber dann wirke ich auch erstaunlich extravertiert. Allerdings halte ich das nicht lange durch, es sei denn die Leute faszinieren mich. Wenn die Chemie stimmt und das Gesprächsthema spannend ist, habe ich deutlich mehr Energie.

    • Deine Beschreibungen über dich deine INFP-Freundin machen auf jeden Fall Sinn und decken sich mit meinen Auffassungen/Erkenntnissen von Fi und Fe. Ich kann mich in diesen Beispielen auch eher mit Fi (deiner INFP-Bekannten) identifizieren, wobei ich anmerken muss, dass mir oft sehr bewusst ist, dass es “unangebracht” ist sich verbal zu entleeren (und daher tue ich es auch nur sehr selten). Das hat mich oft an meiner Fi-igkeit zweifeln lassen, aber ich denke, es basiert auf meiner ausgeprägten extrovertierten Wahrnehmung/Intuition. Ich sehe dafür weniger meine eigenen Werte, Einstellungen und Überzeugungen als ein dom-Fi…vermute ich zumindest. 😉 Oder anders ausgedrückt: Ich bin tendenziell noch etwas flexibler bezüglich meiner Gefühle/Meinungen etc.

      Eine Frage für dich: Meinst du mit deinem Wahrheitsbeispiel, dass du eher “lügst” (“alles bestens!”) oder eher sagst, dass es dir “besch…eiden” geht?

      Ja, ich vermute, dass die Art des dominanten Types einen heftigen Einfluss auf die Art und Weise der Extroversion/Introversion hat. Also bei mir eben extreme Extroversion in kreativen/spielerischen Umgebungen, aber klare Zurückgezogenheit in Umwelten, in denen Ne definitiv keine/kaum eine Rolle spielt. Bei dir scheint es mit Fe ähnlich zu sein? Würde das dann bedeuten, dass die aktuelle Umwelt und die dominante Funktion “synchron” sein müssen, um Extroversion zu erzeugen? 😉

      Zu deinem ENTP-Beispiel: Ich würde tendenziell behaupten, dass ein “Standard-ENTP” extrovertierter wirkt als ein “Standard-ENFP”. Warum? Na, weil neben Ne noch Fe nach außen transportiert wird und Ti eine gewisse “mir-egal-was-andere-denken”-Einstellung hat. Ein ENFP transportiert neben Ne noch Te nach außen, was eher kühl und distanzierter wirkt, speziell im Vergleich zum “warmen” Fe. Außerdem ist Fi in gewisser Weise zwischenmenschlich “gehemmt”, da oft eine “leben und leben lassen”-Einstellung mitklingt. Ich als Fi-Nutzer weiß eigentlich sehr sicher, dass meine Einstellungen/Werte etc nicht wirklich was für die Masse sind und mache daher auch keine Anstrengungen meine “Message” zu verbreiten oder andere aktiv zu beeinflussen, zumindest nicht so, wie Fe das laut Theorie tut.

      • „Eine Frage für dich: Meinst du mit deinem Wahrheitsbeispiel, dass du eher “lügst” (“alles bestens!”) oder eher sagst, dass es dir “besch…eiden” geht?“

        Lügen wäre zu viel gesagt. Ich schaue mir an, was die Person aushält und was mein Umfeld von mir erwartet. Und dann antworte ich, wie es konventionell erwartet wird: „alles Besten“ oder ähnliches, da höre ich nicht mal in mich hinein. Allein deshalb entsteht bei mir kein Konflikt. Wenn ich wirklich genervt bin, kann ich das meist nicht so gut überspielen. Das tritt dann auch schneller nach außen. Dann wirkt man Verhalten schon mal inkongruent zur meiner Äußerung. Wenn es ein guter Bekannter ist, habe ich auch keine Probleme mich auszukotzen, wenn ich merke der hat Zeit für mich. Aber da bin ich echt zurückhaltend, da ich keinen überfordern will. Meistens höre ich mir eher die Probleme anderer an.

        „extreme Extroversion in kreativen/spielerischen Umgebungen, aber klare Zurückgezogenheit in Umwelten, in denen Ne definitiv keine/kaum eine Rolle spielt.“

        Das kann ich gut nachvollziehen. Der ENTP war auch extrem extrovertiert in solchen Phasen und tatsächlich auch sehr zurückgezogen, wenn nichts los war.

        „Standard-ENTP” extrovertierter wirkt als ein “Standard-ENFP”.

        Das mag sein, deckt sich auch mit meiner eigenen Erfahrung. Es gibt aber auch extrem charismatische ENFP, die können das Gefühl auch super nach außen tragen. Falls es dich interessiert, google mal „benjamin zander music and passion“. So viel Begeisterung geht einem doch unter die Haut.

        „Ich als Fi-Nutzer weiß eigentlich sehr sicher, dass meine Einstellungen/Werte etc nicht wirklich was für die Masse ist und mache daher auch keine Anstrengungen meine “Message” zu verbreiten oder andere aktiv zu beeinflussen, zumindest nicht so, wie Fe das laut Theorie tut.“

        Ja, das sehe ich auch so. Fe ist da mehr missionarisch. Gerade dominante Fe-Typen sind da ziemlich aktiv. Ich bin da eher locker in meiner Einstellung. Wenn ich merke, dass mein Appell nicht ankommt, ziehe ich mich zurück. Entweder sie kommen von allein auf den Trichter oder auch nicht. Ich mag anderen Leuten nicht meine Willen aufzwingen. Ich glaube, ich versuche eher als Beispiel zu wirken. Zumindest mache ich das mit meinen Kindern so. Wenn ich sie tatsächlich zwingen muss, um sie vor Schaden zu bewahren, finde ich das super anstrengend. Meistens appelliere ich an ihre Vernunft. Ich bin von zu Hause aus eher laissez fair erzogen wurden.

        • Vielen Dank für dein Feedback! Es scheint, ich bin zumindest grundsätzlich nicht auf dem Holzweg mit meinen Überlegungen und Beobachtungen. Das ist doch schon mal was. 😉

          Deine Erläuterung zum Thema Wahrheit/Lügen ist total kongruent mit meiner erworbenen Vorstellung von Fe (als eine der Top 2 Funktionen). Wobei ich mich nun auch frage, wie genau der Unterschied zwischen dominanten und auxiliary Fe ausschaut…laut Theorie müsste sich Fe als zweite Funktion wesentlich später entwickeln und auch nicht so “dominant” sein, heißt: Man ist wesentlich flexibler mit seiner zweiten Funktion. Trifft das auf dich zu?
          Für mich wäre das eine mögliche Erklärung, warum ich relativ problemlos Möglichkeiten/Chancen/Entwicklungen sehe (Ne), aber kaum eine Entscheidungsgrundlage habe, welche davon wirklich wertvoll sind (Fi-judging). Wobei das nun gaaaaaanz langsam immer besser wird. Also ich könnte mich auf jeden Fall in diese Theorie reininterpretieren. 😀 Dominante Fi-Typen müssten wesentlich früher in ihrer Entwicklung deutlich erkennen, was gut/schlecht oder erstrebenswert ist…laut Theorie…

          Das sich deine Erfahrungen mit meinen bezüglich ENXP decken, finde ich besonders klasse, denn um ehrlich zu sein, schwanke ich immer wieder, ob ich tatsächlich kein Intro sein kann. Denn wer weiß, vielleicht möchte ich einfach lieber ENFP sein und ignoriere andere Muster und Verhaltensweisen in meiner Beobachtung. Allerdings hab ich mich auch nun inzwischen schon ein paar Jahre mit der INXP-Frage rumgeschlagen, was beides nie so richtig dauerhaft gepasst hat…vielleicht ist ENFP ja wirklich die schlüssigste Muster-Lösung.
          Grundsätzlich haben sicher auch ENFP, wie du sagst, das Potenzial große Begeisterung zu entfachen! Speziell, wenn sie gut entwickelt sind. Ich denke, da spielt auch die Achillesverse (Si) eine große Rolle. Es ist oft sehr einfach in dem bekanntem, sicheren Hafen zu bleiben, was natürlich für einen dominanten Si-Typen wesentlich sinnvoller und gesünder ist, als für einen dominanten Ne-Typen. 😉
          Ich habe eben übrigens mal versucht den Herrn Zander zu googeln, aber irgendwie hat kein Video funktioniert…ich bleibe aber am Ball. 🙂

          • „laut Theorie müsste sich Fe als zweite Funktion wesentlich später entwickeln und auch nicht so “dominant” sein, heißt: Man ist wesentlich flexibler mit seiner zweiten Funktion. Trifft das auf dich zu?“

            Trifft auf jeden Fall zu. Ich habe zwar Fe, aber es läuft eher im Hintergrund mit, wo es mich viel Energie kostet. D.h. ich würde es manchmal gerne ignorieren und einfach mein Ding machen. Fe war in meiner Familie auch nicht sonderlich angesagt, da meine Eltern beide NT sind. Meine Eltern meinten manchmal, ich sei wie meine Oma. Die war ein Bilderbuch-ENFJ. Also offensichtlich spürten meine Eltern das Fe schon in meiner Kindheit in mir. Aber ich habe durch meine Erziehung mein Ti sehr stark entwickelt. Wissen und Verstehen von Zusammenhängen waren aus Sicht meiner Eltern fundamentale Werte. Deshalb komme ich auch oft nicht so weich rüber, wie es vielleicht für weibliche INFJs üblich ist, da ich es gewöhnt bin, die Dinge erst mal rational und nüchtern zu betrachten. Ich erinnere eine Zeit, wo ich ganz schön mit mir gekämpft habe, um mein Gefühlsduselei nicht nach außen dringen zu lassen.
            Ich habe dir hier mal ein paar links rausgesucht, vielleicht helfen sie dir ja die Kombi von Ne und Fi besser zu verstehen.

            Video-Mbti interaction series zwischen entp und enfp
            https://www.youtube.com/watch?v=tfGTAqKGZMc
            und das ist mein Favorit nf geeks ein Kanal von enfp Mike für Idealisten (NF):
            https://www.youtube.com/user/nfgeeks/videos
            Mike hat auch Videos über infps eingestellt und jede Menge enfps.
            Ansonsten hier noch ein Link zu Benjamin Zander.
            http://www.ted.com/talks/benjamin_zander_on_music_and_passion.html

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